Karl Kübel Schule
11.11.2022

„Die lebendigen Böden unserer Erde sind Alleskönner“

 

Schüler und Lehrer der Berufsschule versammelten sich am Montag nach den Herbstferien zur Eröffnung der Wanderausstellung „Lebendige Böden“ an der Karl Kübel Schule.

Als Organisator der Wanderausstellung und Religionslehrer fühlt sich Wolfgang Grün auch ganz persönlich ethisch herausgefordert: „Wir sind der Schöpfung gegenüber verpflichtet und jede Generation hat den Zustand unserer Erde zu bewahren. Es steht mir nicht frei, sie zu beschädigen. Es ist ähnlich, wie wenn ich in den Ferien eine Wohnung miete. Die muss ich auch wieder in ordentlichem Zustand hinterlassen“.

Zu einem halbstündiger Impulsvortrag wurde der promovierte Agraringenieur Ralph Kadel aus Ober- Mumbach gewonnen. Dieser war wesentlich an der Organisation der vorjährigen Biodiversitätskonferenzen des Landkreises Bergstraße beteiligt. Wie sein Vorredner spricht er die bedrohliche Situation für die Böden der weltweit in unverblümt klarer Sprache an. “Sie bilden nur eine superdünne Haut mit wenigen Zentimeter Dicke auf den Landflächen unserer Erde. Und ohne sie können wir nicht existieren. In einer Hand voll humushaltiger Erde sind so viele Kleinstlebewesen, wie Menschen auf der ganzen Erde und diese wiegen auf einem Hektar fruchtbarer Erde fünfzehn Tonnen.“ Das Problem dabei: „Zerstörte Böden durch Bebauung oder Übernutzung sind verlorene Böden und wir haben auf unserer Erde nur zwanzig Prozent der Landoberfläche, die fruchtbar ist. Böden sind also eine endliche Ressource“.

Massensterben bereits jetzt schon in vollem Gang

Auf Luftaufnahmen, die vom Naturschützer Florian Schuhmacher von Drohnen aus gemacht wurden, zeigte Kadel, wie sich die Bergsträßer Ortschaften ausdehnten und die typische Landschaft tiefgreifend veränderte, Straßen die Lebensräume zerschnitten haben und damit für viele größere Tiere wie z.B. Hirsche nicht mehr ausreichen, die typische Obstwiesenumgebung und kleinparzellierten Gärten-Wiesen und Äcker zum Verschwinden gebracht haben.

Kadel beruft sich auf die weltweit anerkannten Erkenntnisse der Wissenschaft: vor allem die weltweite Flächenzerstörung durch Bebauung, Asphaltierung und Betonieren und die Übernutzung und damit die Gefährdung des Bodenlebens in der Landwirtschaft mündeten in ein Artensterben, das nicht in Zukunft auf uns zukomme, sondern es sei bereits vollständig im Gang: täglich gingen 380 Arten verloren und wir Menschen würden bei einem weiter so dazu gehören. Es drohe nun das sechste Massensterben in der Erdgeschichte und dies sei von den Menschen selbst verursacht.  Man müsse erkennen, dass die Natur auf uns nicht angewiesen sei. Sie könne auch ohne uns weiter existieren. Ohne lebendige Böden seien wir aber vielfach bedroht. Die Natur biete uns damit unsere Lebensgrundlage. Wir aber sägten den Ast ab, auf dem wir säßen.

Der mit Videos und Grafiken sowie Fragen an das Publikum gerichtete, abwechslungsreich gestaltete Vortrag fesselte das Publikum, war berührend und stimmte natürlich auch nachdenklich. Es sei dringend notwendig diese Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, um konstruktiv handlungsfähig zu sein, meinte Kadel. Solcherart Gefahren müssten offen thematisiert werden und dürfe in unserer Lage auf gar keinen Fall verharmlost werden. Daher müssten diese Tatsachen gerade der jungen Generation zugemutet werden, um in diesen Fragen zu konstruktiven Änderungen des eigenen Lebensstils und der Politik zu kommen.

Im Anschluss an Kadels Impulsvortrag sprach Christa Kohl, die sich auch als Flächenpatin im Naturschutz engagiert, zu einigen Bildern der vier beteiligten Künstler der Ausstellung, zu denen sie selbst gehörte, und erläuterte deren Beweggründe.

Die Veranstaltung wird durch das Lehrmaterial des Hessischen Landesamtes für Natur und Umweltschutz informativ abgerundet: mit neun Posters von zwei Meter Höhe sind hier die Merkmale von Böden, ihre Funktionen, die Vielfalt in ihrer Stofflichkeit und die Zusammenhänge von biologischen und ökologischen Kreisläufen übersichtlich dargestellt. Die Schüler und Lehrer haben somit eine informative und anregende Möglichkeit, sich dem Thema in gemeinsamer Begehung zuzuwenden.

 

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