Karl Kübel Schule
05.05.2026
Bild: Thomas Neu
Bild: Thomas Neu

Was Nachfahren von Shoah-Überlebenden erinnern 

21.04.2026. Wie prägt die Erfahrung von Flucht und Verfolgung die unterschiedlichen Generationen einer Familie? Wie gehen Nachgeborene damit um, dass Eltern oder Großeltern, Onkel oder Kusinen vom NS-Staat ermordet wurden? Der Akzent von Zeitzeugengesprächen hat sich verschoben. Die Generation derer, die den Holocaust unmittelbar überlebt haben, ist so gut wie nicht mehr vorhanden.  […] 

Geschichte der Familie Kahn zeigt, wie Flucht nur mit Hilfe und unter Verlust gelang 

In der Karl Kübel Schule (KKS) in Bensheim hatten Schülerinnen und Schüler aus zwei Geschichtskursen - aus der Jahrgangstufe 12 der KKS und der Jahrgangstufe 10 des Goethe-Gymnasiums – Gelegenheit zum Gespräch mit Rochelle Kahn aus Toronto (Kanada). […] 

Die Verbindung der Familie zu Lorsch wird heute durch Thilo Figaj, den Vorsitzenden des Heimat- und Kulturvereins Lorsch und Kurators der Dokumentationsstätte Landjudenschaft in Lorsch, gepflegt. Gemeinsam mit Ursula Schlosser, Vorsitzende des Synagogenvereins Auerbach, und den Kursleitern Karoline Mehling (KKS) und Sebastian Kremer (Goethe-Gymnasium) hatte Figaj das Zeitzeugengespräch organisiert. […] 

Als in der Folge der Novemberpogrome 1938 die jüdischen Männer inhaftiert und in Konzentrationslager gebracht wurden, war für Carola Kahn klar, dass die Familie Deutschland verlassen musste. Noch während Leopold Kahn, der Vater ihrer fünf Söhne, im Konzentrationslager Buchenwald war, organisierte sie im Dezember 1938 die Ausreise der zwei ältesten Geschwister, Ernst und Bertold, zu einem Verwandten nach England, der später der ganzen Familie zur Flucht nach Kanada verhalf. Ernst und Berthold waren damals erst 13 und 10 Jahre alt. 

Familiäre Brüche wirkten in Kanada über Generationen fort 

In Kanada traf die Familie anfänglich auf Misstrauen – nicht als Juden, sondern als Deutsche, die möglicherweise als Spione ins Land gekommen waren. Doch legte sich das schnell, erzählte Rochelle Kahn, und die Familie konnte sich auf einer bescheidenen Farm ein neues Leben aufbauen und später auch wieder wie in Lorsch als Viehhändler tätig sein. Der Vater habe wenig über seine Erfahrungen gesprochen und so habe sie auch kürzlich erst – lang nach seinem Tod – erfahren, dass er und sein Bruder mit den Kindertransporten nach England gekommen waren. 

[…] 

Viele Informationen über die Geschehnisse bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs habe sie als Jugendliche nicht gehabt, sagte Rochelle Kahn, zumal es in ihrer Jugend die neuen Medien noch nicht gegeben habe. Sie sei nicht auf die Idee gekommen, Fragen zu stellen, was sie heute bedaure. Erst im Nachhinein komme ihr manchmal der Gedanke, dass bestimmte Ängste oder Verhaltensweisen der älteren Generation von den Erlebnissen der Verfolgung geprägt worden seien. 

Dies ist ein gekürzter BA-Artikel vom 21.04.2026, abrufbar unter Link. 

 

Kategorien

Kontakt

06251 10650 info@kks.kbs.schule