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Prickelnde Einblicke PDF Drucken E-Mail
mainz1.jpgAm Tag der Ausgabe unserer Halbjahres-Berufsschulzeugnisse am 27. Januar trafen wir uns pünktlich um 08:00 Uhr  an der Bushaltestelle vor der Karl Kübel Schule, um bei klirrender Kälte eine Studienfahrt nach Wiesbaden und Mainz durchzuführen. Zunächst führte uns der Weg zur Sektkellerei Henkell nach Wiesbaden.
Trotz oder gerade wegen der ständigen „Verspätungshysterie“ unseres Klassenlehrers – Herrn Riedel – trafen wir dort etwa 20 Minuten zu früh ein. Natürlich hatte jetzt jeder im Bus erwartet, dass man uns zu einer Tasse Kaffee in die Kantine einladen würde oder – noch besser – auf ein Pikkolöchen zum Sektfrühstück bittet. Doch weit gefehlt. Man lies uns tatsächlich die Zeit bis zum offiziellen Beginn der Führung im Bus sitzen, was unserer guten Stimmung jedoch keinen Abbruch tat.
Der auffälligste Gebäudeteil im Innenbereich der Fa. Henkell ist der prächtige Marmorsaal: ein repräsentatives Foyer, ursprünglich streng klassizistisch, das vom Unternehmen bis heute für Repräsentation, Empfänge, Feste und Kon-zerte genutzt wird.
In dieser wunderschönen Eingangshalle wurden auch wir empfangen und von unseren beiden Führerinnen herzlich begrüßt. Zunächst wurden wir über die lange Tradition des Unternehmens informiert, wamainz2.jpgs keine(n) der SchülerInnen unbeeindruckt lies.
1832 in Mainz gegründet, steht die seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Wiesbaden ansässige Kellerei für eine der bekanntesten Marken im deutschen Sektmarkt, HENKELL TROCKEN. Das repräsentative Sekthaus ist heute Stammsitz und Zentrale der international tätigen Henkell-Gruppe.
Nachdem man sich für ein Gelände auf dem Areal einer ausgebeuteten Kiesgrube in Wiesbaden-Biebrich entschie-den hatte, schuf der damals gerade 30-jährige Architekt Paul Bonatz eine fünfstöckige Kelleranlage, in der zukünftig Weine ausgebaut sowie Cuvées zusammengestellt und zu Sekt veredelt werden sollten.
Die Zwischengeschosse waren für Fluchten von Rüttelpulten ausgelegt. Die hohen Geschosse waren riesige Fass- und Flaschenlägern (Gärlager, Ruhelager) vorbehalten. Die eigentliche Produktion dagegen fand oberirdisch statt. Hier gab es neben der Degorgierhalle, die für die Enthefung des Rohsektes vorgesehen war und heute für interne Veranstaltungen genutzt wird, die so genannte Packhalle. Hier, wo die Flaschen verkorkt, etikettiert und zum Trans-port vorbereitet wurden, erfolgt mittlerweile die Abfüllung von jährlich 90 Millionen Flaschen Sekt. Erst zwei Jahrzehn-te nach Eröffnung der Kellerei wurde der Marmorsaal im Auftrag Otto Henkells mit zahlreichen neoklassizistischen Stuck-Elementen und Rokoko-Rocaillen in seine heutige schlossartige Atmosphäre versetzt.
Nach diesen Eingangsinformationen führte uns der Weg in den riesigen Sektkeller, vorbei an uralten Weinfässern, die dem Gründer Adam Henkell von Geschäftsfreunden aus aller Welt geschenkt wurden. Daraufhin wurden uns die verschiedenen Stufen des Produktionsprozesses erläutert. Allein von der Marke Henkell Trocken wurden 2008 12,8 Mio. 0,75-l-Flaschen verkauft. Erstaunt waren wir über die Schnelligkeit mit der die Sektflaschen hier abgefüllt und in Pappkartons verpackt werden. Die ganze Verpackungsstraße erinnerte ein wenig an eine Modelleisenbahn. Nach-dem zahlreiche Fragen nach dem Unterschied zwischen Sekt und Champagner, der maximalen Lagerdauer des Sektes u. v. m. von den sachkundigen Damen unseres Führungsduos geklärt waren, kamen wir zu dem von allen am meisten herbeigesehnten Ereignis der Führung, nämlich der Verkostung dieses edlen Getränkes. Im prunkvollen Empfangszimmer des Hauses wurde uns zunächst noch ein Video über die Unternehmung und ihre Produkte ge-zeigt, bis uns im Anschluss ein Gläschen des edlen Blanc de Blancs kredenzt wurde. Feinperlig, lang anhaltend dezenter Duft nach Goldapfel, Williams-Birnen und Butterscotch – nein, dies war nicht das fachmännische Urteil unseres Klassenlehrers, sondern die Beschreibung dieses fruchtig-prickelnden Rebensaftes aus dem Firmenprospekt. Leicht beschwingt verließen unsere angehenden EinzelhändlerInnen die Sektkellerei, glücklich ausgestattet mit einem Pikkolo-Präsent des Hauses in der Tasche.

mainz3.jpg Geschockt waren wir nun erneut von der draußen herrschenden Kälte, so dass wir uns schleunigst zurück zum Parkplatz begaben, wo ein fürsorglicher Fahrer bereits den Bus für uns vorgewärmt hatte. Da wir recht gut in der Zeit lagen und unser Besichtigungstermin beim ZDF erst für 14:00 Uhr terminiert war, wagten wir noch einen kurzen Einkehrschwung in die Mainzer Innenstadt. Einige Mädels nutzten die Zeit für einen Streifzug durch die zahlreichen Geschäfte der Innenstadt und kamen zum Teil mit vielen Einkaufstaschen zurück. Anderen stand der Sinn eher nach gastronomischen Köstlichkeiten, um den aufkeimenden kleinen Hunger zu besänftigen. Pünktlich zum ausgemach-ten Zeitpunkt waren tatsächlich alle wieder am Bus und wir fuhren auf dem direkten Weg zur Sendezentrale des Zweiten Deutschen Fernsehens, im Volksmund besser unter der Abkürzung ZDF bekannt. Schon im Eingangsbe-reich des Senders war eine so genannte „Greenbox“ installiert, die von einigen SchülerInnen sogleich neugierig in-spiziert wurde. Hier konnte man durch die Kopplung zweier getrennt aufgenommener Szenen die Illusion erzeugen, direkt neben Klaus Kleber im Heute-Journal aufzutreten. Diese Möglichkeit wurde von vielen Schülern ausgiebig genutzt und mit der eigenen Digitalkamera festgehalten. Da wir wieder mal überpünktlich eintrafen, ergab sich sogar die Möglichkeit, eine junge Journalistin bei demainz4.jpgr Moderation einer Sendung für den Kinderkanal bei der Arbeit zu beobachten. Dass dies alles leichter aussieht, als es tatsächlich selbst zu praktizieren, wurde wenig später deutlich, als in einem anderen Studio die Möglichkeit bestand die Ziehung der Lottozahlen anzumoderieren. Schnell waren sich alle SchülerInnen darüber einig, dass diesen Part Herr Riedel übernehmen müsste. Auch wenn er mit seinem Auftritt die gewohnte Lottofee nicht ersetzen konnte, schlug er sich doch recht wacker und machte unserer Schule keine Schande. Vergeblich streiften die Blicke einiger SchülerInnen durch die langen Gänge des Senders in der dumpfen Hoffnung vielleicht doch - rein zufällig – dem einen oder anderen Prominenten über den Weg zu laufen. Leider ver-geblich!
Wir besuchten sodann das aktuelle Sportstudio, bekamen die Arbeit hinter den Kulissen, in den Räumen der Regie erläutert und besichtigten abschließend auch noch den ZDF-Fernsehgarten. Voll gepackt mit zahlreichen Infor-mationen über erfolgreiche Sendungen, Produktionskosten und zukünftige Projekte des Senders standen wir dann erneut in der Eingangshalle und verabschiedeten uns von der freundlichen, kompetenten Führerin. Gut gelaunt traten wir daraufhin die Heimreise an, die reibungslos und ohne nennenswerte Zwischenfälle verlief.

Auch ohne das hier gezeigte Mainzelmännchen hatten alle Teilnehmer der Führung die Message des Senders ver-standen:

Wenn man sich ein Auge zuhält, sieht man besser!!!
oder so ähnlich, jedenfalls… mainz5.jpg
 
Maurice Rottenberger – 11 EH 1
 
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