Schon zu aller Hergottsfrühe – nämlich um 07:00 Uhr – war unsere Abfahrt terminiert. Doch ein Mitschüler osteuropäischer Herkunft zeigte uns sehr anschaulich, dass in Russland die Uhren anders gehen. Es bedurfte einigen guten Zuredens, um Herrn Riedel von der pünktlichen Abfahrt abzuhalten und ihm eine Viertelstunde Wartezeit abzuringen. Trotz dieser „Anlaufschwierigkeiten“ schafften wir es - wider Erwarten - trotzdem, „just in time“ auf dem Werksgelände der Fa. Trigema einzulaufen.
Trigema, ist der größte T-Shirt- und Tennis-Bekleidungs-Hersteller Deutschlands. Man gewährte uns dort freundlicherweise einen Einblick in die komplexen Prozesse der Herstellung sportlich-modischer Textilien. Zunächst sahen wir ein Kurzfilm über das Unternehmen. Beeindruckend waren dabei, neben der allgemeinen Informationen über Beginn und Entwicklung der Unternehmung, die ausschnittsweise wiedergegebenen Auftritte des Firmeninhabers Wolfgang Grupp in solch etablierten Talkshows wie „Anne Will“ und „Maybritt Illner“. Selbst vor einem Millionenpublikum nimmt dieser Mann kein Blatt vor den Mund.
Er kenne seinen Laden und alle Produktionsschritte, erläutert Grupp dort glaubhaft. Er überschaue alle Prozesse, packe jedes Problem sofort an, arbeite mit einer schlanken Verwaltung („Das ist rein schwäbisch bedingt“). Er konzentriere sich auf das Kerngeschäft und verzichte auf Diversifikation. Er achte darauf, sich nicht abhängig zu machen und stelle seine Kapazitäten genau auf den Markt ein. Sein Unternehmen arbeite maximal flexibel. Da er seine Leute ständig motiviere, den persönlichen Kontakt pflege, den Nachwuchs von innen rekrutiere und „gerecht“ bezahle, gehöre kaum einer der Gewerkschaft an, und die Kandidaten für den Betriebsrat habe er gleich selbst ausgesucht.
Der gute König – ein Modell wie aus einem anderen Jahrhundert.
Neben diesen medienwirksamen Auftritten und der nachhaltigen Werbung für den Standort Deutschland, verdankt es die Unternehmung aber wohl vor allem einer überzeugten, treuen Kundschaft, die mit ihren Einkäufen die Philosophie der Unternehmung unterstützt.

Trigema produziert ausschließlich im Schwäbischen, 1.200 MitarbeiterInnen hat der Betrieb mit allen Stufen der Herstellung von der Stoffproduktion bis zur Konfektion, mehr als die Hälfte der Waren wird zudem in eigenen Läden verkauft. Seit 40 Jahren, erklärt der Chef, habe es keine betriebsbedingte Kündigung gegeben – und das, obwohl sich der Markt ständig wandelte, Kaufhäuser und ein großer Discounter als Abnehmer wegbrachen.
Da das Unternehmen ein vierstufiges Textilunternehmen ist, was bedeutet, dass Stoffherstellung, Ausrüstung, Druckerei/Stickerei und Zuschneiderei/Konfektion innerhalb des eigenen Unternehmens stattfinden, konnten wir die Zusammenhänge der einzelnen Fertigungsprozesse deutlich erkennen und verstehen. Auch wurden uns die vielen Maschinen und deren Funktionen im Produktionsprozess ausführlich erklärt. Als nächstes besichtigten wir die Lagerhallen, wo wir über das Lagersystem und die Kriterien ordnungsgemäßer Lagerung aufgeklärt wurden.
Zu guter Letzt erhielten wir noch einen Einblick in die Verwaltung, wo lediglich 30 ArbeitnehmerInnen beschäftigt sind. (Darunter sogar der Pilot des firmeneigenen Helikopters, der den Chef zu seinen zahlreichen Meetings und Fernsehauftritten fliegen muss.) Voller Erstaunen stellten wir fest, dass der Inhaber Wolfgang Grupp mitten unter seinem Büropersonal in einem Großraumbüro arbeitet und deshalb für alle seine MitarbeiterInnen ständig auf kurzem Wege erreich- und ansprechbar ist. Sogar seine Ehefrau arbeitet dort wie selbstverständlich im Dienste der Firma mit. Durch die Werksbesichtigung bei Trigema konnten wir einen praktischen Bezug zu den im Unterricht besprochenen Problemen der Produktion und des Marketings herstellen und machten die eine oder andere erhellende Erfahrung.
Nach einem kurzweiligen Transfer in die baden-württembergische Landeshauptstadt Stuttgart wartete ein ganz besonderes Schmankerl auf alle Automobilfans unserer Klasse. Mit großen Erwartungen waren wir fast alle sehr gespannt auf unseren Besuch des erst Ende Januar eröffneten, neuen Porsche-Museums. Da einige SchülerInnen nach dem langen Vormittag doch ziemlichen Kohldampf hatten, legten wir zunächst einen kleinen Zwischenstopp im Museumsbistro ein. Danach hatten wir für zwei Stunden die Möglichkeit uns die Renn- und Sportwagen dieser renomierten Marke einmal ganz aus der Nähe anzusehen. Da geriet doch der eine oder die andere ins schwärmen und ins träumen.
Auch wenn der Abschied vom Porsche-Museum einigen doch recht schwer fiel, freuten sich die meisten doch auch sehr auf den Besuch des Weihnachtsmarktes in der Stuttgarter Innenstadt. Mit einem Gläschen Glühwein und einem kleinen Stadtbummel in der Fußgängerzone ließen wir den interessanten, aber auch sehr anstrengenden Tag gemütlich ausklingen. Nach zweistündiger Rückfahrt erreichten wir todmüde aber auch sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages unsere geliebte Penne, die Karl Kübel Schule. Schon wenige Minuten nach Eintreffen unseres Busses waren die SchülerInnen in alle Himmelsrichtungen enteilt und am Berliner Ring kehrte erneut eine vorweihnachtliche Beschaulichkeit ein.